Die Türme des Februar

Titelbild

Entstehungsgeschichte

Martin Kleppmann

Tonke Dragts Roman Die Türme des Februar kam mir erstmals im Alter von 13 Jahren zwischen die Hände. Ich verschlang das Buch rasch, so wie viele andere Fantasybücher zu dieser Zeit auch... doch irgendwie ist dieses Buch anders. Das Gefühl, dass die Geschichte wahr sein muss, bekommt man nie ganz los. Es ist als Tagebuch geschrieben, was den Leser besonders stark mit der Hauptperson mitfühlen lässt. Und es ist eines dieser seltenen Bücher, das nicht langweilig wird, wenn man es ein zweites und drittes Mal liest, sondern im Gegenteil immer besser werden.

Martin beim Schreiben

Ein Jahr später, als ich an das Buch zurückdachte, kam mir die Idee, daraus ein Theaterstück zu machen. Das war 1998, und ich war in der neunten Klasse des Theodor-Heuss-Gymnasiums Aalen. Mich faszinierte, wie das Theater nicht nur erzählen kann, sondern auch Stimmungen erschafft – durch Worte, Gesten, Licht, und durch Musik. Ich hatte die Theaterfassung von Die Türme des Februar bald vor Augen, und verbrachte so manchen Abend damit, sie aufzuschreiben. Dabei versuchte ich, dem Buch so treu wie möglich zu bleiben, und das Stück zugleich lebendig und gut spielbar zu machen.

Ich war nie gut in Deutsch: Eigentlich war es eine kleine Anmaßung zu glauben, dass ich jemals etwas brauchbares schreiben würde. Trotzdem dachte ich, dass es nicht schaden würde, es zu versuchen. Ich hasse Angeberei, und deshalb erzählte ich fast niemandem von diesem kleinen Projekt.

Bald wurde mir aber klar, dass Die Türme des Februar kein reines Theaterstück werden konnten. Die Handlung ist voller Emotionen – Angst, Verlorenheit, Leidenschaft, Glück, Wut usw. – die meiner Meinung nach auf der Bühne nur mit Musik richtig zur Geltung kommen könnten. Ich bat einen Freund, der viel musikalische Erfahrung hatte, um Hilfe. Er erklärte sich bereit, begleitende Musik für Chor und Orchester zu komponieren.

Martin am Meer

Wir richteten das Werk von Anfang an darauf aus, dass es als Schulaufführung machbar ist. Norbert Locher, Musiklehrer an meiner Schule, hatte schon zuvor einige große Musik- und Theateraufführungen organisiert – und in der Tat waren es wohl diese Projekte, die Die Türme des Februar zu Beginn motivierten. Wir fragen bei den zuständigen Lehrern an, und sie zeigten sich durchaus bereit, ein Schülerwerk aufzuführen. Da begann eine Phase des begeisterten Schreibens... wir glaubten, das Stück innerhalb weniger Monate fertigschreiben zu können. Die Schulaufführung im folgenden Jahr war bereits vorgesehen (das wäre in meiner zwölften Klasse gewesen). Doch neben der Schule her stellte sich das Vorhaben als unrealistisch heraus. Uns ging die Zeit aus, und ein anderes Stück wurde für die Schulaufführung ausgewählt. Frustriert wurden die Manuskripte und Notizen in Schubladen gesperrt und vergessen.

Zwei Jahre lagen sie dort, und ich wagte es nicht, sie auch nur anzuschauen. Erst nach dem Abitur las ich nochmals, auf das Schlimmste gefasst, meine alten Texte. Ich stellte fest: Etwas Überarbeitung war nötig, aber eigentlich waren sie gar nicht so schlecht. Und vielleicht könnte ich ja versuchen, selbst die Musik dazu zu schreiben?

Martin komponiert

Ich hatte so gut wie keine Erfahrung mit Komposition, und hatte niemals etwas derartiges beigebracht bekommen. Doch auch hier dachte ich mir, dass es nicht schaden könne, es zu versuchen. Ich verließ mich im Wesentlichen auf guten Willen und Intuition. Während des Zivildienstes schrieb ich nebenher die ersten paar Musikstücke für das Musical und schickte sie an meinen ehemaligen Musiklehrer, Norbert Locher. Von dessen positiver Resonanz ermutigt, setzte ich meine Bemühungen während der Semesterferien meines Informatikstudiums fort. Wegen der oft monatelangen Pausen zwischen Phasen der Arbeit an diesem Werk dauerte es insgesamt vier Jahre, um die gesamte Musik für Die Türme des Februar zu komponieren – doch eines Tages in 2006 war sie endlich fertig. Ich schrieb nur ein Particell, eine kompakte Fassung der Partitur, weil Norbert Locher sich bereit erklärt hatte, daraus die volle Orchesterpartitur zu erstellen.

Die Planung der Aufführungen und die ersten Proben begannen bereits bevor die Musik vollständig geschrieben war. Das Projekt ist so umfangreich, dass es für eine einzige Schule kaum zu bewältigen ist. An den Aufführungen sind nun zwei Schulen beteiligt (das Pfarrwiesen-Gymnasium Sindelfingen und das Theodor-Heuss-Gymnasium Aalen), sowie der Chor der Oratorienvereinigung Aalen.

Ich habe mittlerweile mein Informatikstudium abgeschlossen und studiere nun Komposition an der Musikhochschule Glasgow in Schottland.

Die Türme des Februar ist Norbert Locher gewidmet, als Dank und Anerkennung für seinen stets überzeugten Einsatz für seine Schülerinnen und Schüler: im Unterricht und außerhalb; in der Musik ebenso wie in vielen anderen Gebieten. Wie viele andere Schüler, wurde auch ich durch ihn sehr positiv geprägt.